Bamberg - Kloster Michelsberg

Die ehemalige Benediktinerabtei St. Michael auf dem Michelsberg in Bamberg, gegründet 1015 und umgebaut 1696-1713, hauptsächlich nach Plänen von Leonhard und Johann Dientzenhofer

Im Jahr 1693 wurde Lothar Franz von Schönborn zum Fürstbischof von Bamberg gewählt. Eines seiner Ziele war der barocke Wiederaufbau der Stadt Bamberg, wozu auch der barocke Wiederaufbau des Klosters und des Doms auf dem Michelsberg oberhalb Bambergs gehörte. Den barocken Umbau leiteten Leonhard Dientzenhofer 1696-1702, sein Bruder Johann Dientzenhofer 1707-1713 und sein Sohn Justus Heinrich Dientzenhofer 1739-1744.

Der barocke Umbau verlieh der Basilika und dem Kloster eine beeindruckende Größe und Gestalt.

Ausführliche Informationen

Geschichte

Auf einer dominanten Höhe über der Domstadt Bamberg befindet sich seit 1015 die Abtei St. Michael. Nach der Errichtung des Bistums Bamberg durch Kaiser Heinrich II. gründete der erste Bischof von Bamberg, Eberhard, 1015 das Benediktinerkloster St. Michael als bischöfliches Kloster. Der jeweilige Abt war demnach ausschließlich dem Bischof von Bamberg unterstellt. Die Mönche für Michelsberg kamen zunächst aus den Abteien Amorbach und Fulda.

Eine erste Blütezeit erlebte das Kloster unter Bischof Otto von Bamberg im 12. Jahrhundert, vor allem durch die Heiligsprechung des Klosterpatrons Bischof Otto, der in der Klosterkirche bestattet wurde, im Jahr 1189 und den päpstlichen Schutz der Abtei. Ab 1251 wurde die Abtei Michelsberg immer unabhängiger vom Bistum Bamberg. Die Verleihung eines Pontifikals an die Äbte erfolgte vor 1185.

Mit der Verleihung des Pontifikalamtes an die Äbte vor 1185, der Heiligsprechung des im Kloster begrabenen Patronatsbischofs Otto 1189 und dem päpstlichen Schutz der Abtei ab 1251 gewann Michelsberg zunehmend an Unabhängigkeit vom Bamberger Episkopat. Bis ins 18. Jahrhundert hinein stritten sich Abtei und Bistum immer wieder um ihre Privilegien.

Die wichtigste wirtschaftliche Grundlage des Klosters bildete sein großer Besitz an 441 Orten im Bistum.

Im Sommer 1435 wurde das stolze Kloster von den Bamberger Bürgern geplündert und ausgeraubt. Erst eine Generation später normalisierte sich das Leben im Kloster wieder. Michelsberg litt erneut unter dem Bauernkrieg 1525, dem Krieg der fränkischen Markgrafen und der lang anhaltenden Besetzung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg.

Die Klosterkirche wurde 1610 durch einen Brand teilweise zerstört. Beim Wiederaufbau des Daches wurde um 1610 - 1614 ein nachgotisches Gewölbe mit dem berühmten Himmelsgarten geschaffen. Dort sind 578 Pflanzen mit botanischer Präzision wie ein monumentales Kräuterbuch gemalt.

Das mittelalterliche Kloster, von dem noch die 1628 gemalten Tafeln zur Otto-Legende zeugen, wurde in der Barockzeit völlig umgestaltet.

1693 wurde Lothar Franz von Schönborn zum Fürstbischof von Bamberg, 1695 zum Erzbischof von Mainz und damit zum Erzkanzler und ersten Fürsten des Reiches gewählt. Zu den Zielen des Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn gehörte der barocke Umbau der Stadt Bamberg sowie der barocke Umbau einer Reihe von Schlössern, Burgen, Klöstern und Kirchen unter dem Einfluss des Bamberger Domkapitels. Lothar Franz von Schönborn ernennt Leonhard Dientzenhofer zum Hofbaumeister in Bamberg.

Leonhard wird unter anderem mit drei bedeutenden Bauaufgaben in Bamberg beauftragt: dem Umbau des Benediktinerklosters auf dem Michelsberg zu einem einheitlich geregelten Barockbau, dem Bau der Neuen Bischöflichen Residenz auf dem Domplatz und dem barocken Umbau der Karmeliterkirche und des Klosters St. Theodore.

1696 schloss Leonhard Dientzenhofer mit Abt Christoph Erst von Guttenberg einen Vertrag über den Wiederaufbau des Benediktinerklosters und der Kirche am Michelsberg. Damit begann für die Abtei eine neue Blütezeit.

Nach 1697 erhielt die im Kern noch romanische Basilika eine barocke Westfassade von Leonhard Dientzenhofer. Bereits 1698 war Johann Dientzenhofer hier als Meister tätig. Ein weiterer Umbau im Stil der Zeit erfolgte 1707-1713 durch den bischöflichen Hofbaumeister Johann Dientzenhofer, insbesondere durch die Errichtung einer Treppenterrasse und eines Hochchores.

Die Klostergebäude, eine Vierflügelanlage, die einen fast quadratischen Kreuzgang bildet, und die Nebengebäude wurden von Leonhard Dientzenhofer in den Jahren 1696-1702 sukzessive errichtet. In den Jahren 1707-1713 wurden nach den Plänen von Johann Dientzenhofer das Vorkloster, der Hof und die Nebengebäude umgebaut, die sogenannte Neue Abtei errichtet und 1710 der Merkurbrunnen von Johann Dientzenhofer entworfen und gebaut. In den Jahren 1726-1727 wurde ein Pavillon an der Westseite errichtet.

Die übrigen Gebäude der Abtei, d.h. der Klosterhof mit der Torkapelle St. Oswald, wurden 1739-1744 nach Plänen von Justus Heinrich Dientzenhofer errichtet und 1742 von Bathasar Neumann ausgebessert.

Die Klostergärten, der obere Klostergarten und die Terrassen wurden 1711-1731 angelegt bzw. angelegt.
Der barocke Umbau verlieh der Basilika und dem Kloster eine beeindruckende Größe und Solidität.

Zur Zeit der Säkularisation 1802 verfügte das Kloster noch über reichhaltige Besitzungen in der Stadt Bamberg und 141 weiteren Dörfern in der Umgebung. Am 30. November 1802 wurde der Besitz des Klosters von bayerischen Truppen beschlagnahmt und das Kloster am 13. April 1803 aufgelöst. Die Klosterbibliothek wurde in die 1803 gegründete Kurfürstliche Bibliothek Bamberg (die heutige Staatsbibliothek Bamberg) überführt. Die verbliebenen 24 Mönche mussten das Kloster verlassen.

Das Kloster ging in den Besitz der Stadt Bamberg über, die im November 1803 auf Wunsch der Bürgerschaft die alten Krankenhäuser St. Elisabeth und St. Katharina aus der Innenstadt auf den Michelsberg verlegte und so die Klostergebäude vor dem Abriss bewahrte. Das Bürgerspital existiert noch immer.

Im Spätherbst 2012 wurden erhebliche Bauschäden entdeckt, die eine umfangreiche Sanierung notwendig machten, und die Kirche ist seitdem nicht mehr zugänglich. Die Sanierungsmaßnahmen an der Kirche werden mindestens bis 2025 dauern, die am gesamten Areal voraussichtlich bis 2029.

Architektur

Das Gelände des Klosters mit der Basilika ist auf dem Michelsberg erbaut. Barocke Häuser und alte Bäume säumen den Aufstieg auf den Michelsberg. Am Fuße des Berges öffnet sich die Pforte zum ehemaligen Benediktinerkloster. Es besteht aus Sandsteinquadern mit Kirche, Klostergebäuden, Wirtschaftshof und Gärten.

Die Klosterkirche ist als dreischiffige Basilika auf kreuzförmigem Grundriss mit Satteldach und Pultdächern über den Seitenschiffen angelegt, mit einer doppeltürmigen Fassade im Westen mit Spitzhelmen und einer Fassade in frühbarocken Formen über einer Treppe mit einer aufwendigen hochbarocken Terrasse. Auf der Ostseite befindet sich ein Querschiff, dem auf der Südseite ein ehemaliges Septum unter einer abgewalmten Mansarde vorgelagert ist.

Inneneinrichtung

Nach dem barocken Umbau eine Generation später schuf Georg Adam Reuß für die Basilika eine verspielte Engelskanzel im Rokokostil. Der Kabinettmaler Servatius Brickard war im Kloster beschäftigt. Er schuf sein Hauptwerk, das Chorgestühl mit reichen Intarsien, um 1730. Das Gottesgrab in der Seitenkapelle weist dagegen auf den Frühklassizismus hin. Die Folge von zehn Grabmälern der Bamberger Fürstbischöfe wurde erst 1833 im Zuge der Neuromantisierung des Doms in die Michaeliskirche übertragen.

In der Basilika steht unter dem erhöhten Chor an der Westseite der Krypta das Hochgrab des Heiligen Otto (1060-1139), das Abt Johann von Fuchs um 1440 geweiht hat.

Von künstlerischer Bedeutung ist auch die Gedenktafel an der Rückwand, die 1288 von einem Würtzburger Künstler geschaffen wurde. Sie zeigt Otto, der zum Zeitpunkt seines Todes fast 80 Jahre alt war, als einen Mann in der Blüte seiner Jahre, dessen Ausstrahlung unübersehbar ist.

Im Jahr 1833 wurden hier die Grabsteine der Bamberger Bischöfe des 16. bis 18. Jahrhunderts aufgestellt, die auf Anordnung von König Ludwig I. (1786-1868) aus dem Bamberger Dom St. Peter und St. Georg entfernt worden waren.

Gegenwart

Das ehemalige Kloster Michelsberg beherbergt noch heute das Bürgerspital der Stadt, ein Altenheim, das 1738 aus der Zusammenlegung der beiden Spitäler St. Katharina und St. Elisabeth hervorging.

Besitzer / Nutzer

Bürgerspitalstiftung Bamberg
Tel.: 0951 87-2411
E-mail: stiftungen[ZAVINÁČ]stadt[TEČKA]bamberg[TEČKA]de
www.buergerspitalstiftung.de
27. Mai 2023

Quellen

Titel / Autor Datum der Zitierung Ort und Jahr der Veröffentlichung
Michelsberg - Knihy a květy (Christian Lankes) Haus der Bayerischen Geschichte
Kloster Michelsberg (Wikipedia) Wikipedia

Karte des Ortes und der Umgebung Öffnen am mapy.cz

GPS: 49.8935672N, 10.8769247E
Klášter Michelsberg