Amberg - Jesuitenkolleg

Jesuitenkolleg ab 1665 erbaut, der Nordflügel nach Plänen von Georg Dientzenhofer 1683-1689 erbaut, nach dessen Tod von Bruder Wolfgang Dientzenhofer vollendet

Die ersten Jesuiten kamen 1621 nach Amberg. 1665 errichteten die Jesuiten nach einem Entwurf von Wolfgang Hirschstetter das Jesuiten-Dormitorium in der Nähe der St. Georgskirche. Mit dem Bau des Nordflügels wurde 1683 nach einem Entwurf von Georg Dientzenhofer begonnen. Nach seinem frühen Tod am 2. Februar 1689 wurde der Bau des Kollegs noch im selben Jahr von Wolfgang Dientzenhofer vollendet.

Ausführliche Informationen

Geschichte

Nach der Niederlage von Kurfürst Friedrich V. Falcký in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620, fiel die Oberpfalz an Bayern und wurde rekatholisiert. Die ersten Jesuiten kamen 1621 in Begleitung bayerischer Truppen nach Amberg, wo ihnen 1624 die Pfarrei St. Georg zugewiesen wurde. 1626 gründeten die Jesuiten ein Gymnasium, das provisorisch im ehemaligen Franziskanerkloster in Amberg untergebracht war und bis zur Rückkehr der Franziskaner im Jahr 1627 bestand.

1629 erhielten die Jesuiten das Pfarrhaus an der St. Georgskirche, erwarben mehrere Bürgerhäuser, hoben den alten Friedhof auf und rissen 1630 die alte Ulrichskirche ab, konnten aber erst nach dem Dreißigjährigen Krieg an den Bau eines Kollegs und eines Gymnasiums denken.

Der dreigeschossige, vierflügelige Campus des Jesuitenkollegs, 165 m lang, wurde 1665 von Wolfgang Hirschstetter, Georg Hagn und Andreas Wels sen. für die Jesuiten errichtet. Zwischen 1665 und 1669 wurde der Südflügel mit einem Innenhof mit ebenerdigen Arkaden errichtet. Der Turnsaal wurde 1672-1674 erbaut.

Der Nordtrakt des Kollegs wurde nach einem Entwurf von Georg Dientzenhofer in den Jahren 1683-1689 erbaut. Nach dem frühen Tod Georgs am 2. Februar 1689 wurde der Bau noch im selben Jahr von Wolfgang Dientzenhofer vollendet, der auch den Anbau des Westflügels fertigstellte.

Das Dormitorium diente als Turnhalle und Seminar. In den Jahren 1722-1865 wurde dem Gymnasium ein Lyzeum mit einer philosophischen und theologischen Abteilung angegliedert. Die Jesuiten kümmerten sich um die Kirche und das St. George's College, bis der Jesuitenorden 1773 aufgelöst wurde. Im 18. Jahrhundert besuchten über 300 Gymnasiasten das Gymnasium und 100 Kandidaten für Philosophie und Theologie waren im Lyzeum eingeschrieben.

Nach der Aufhebung der Jesuiten übergab Kurfürst Karl Theodor den gesamten Besitz an das von ihm im Dezember 1781 gegründete Großpriorat des bayerischen Malteserordens und bezog die Gebäude am 30. August 1782 selbst.

Bis zur Säkularisation wurde das Jesuitenkolleg vom Malteserorden genutzt, weshalb die Gebäude des Jesuitenkollegs auch heute noch "Malteserhäuser" genannt werden. Im Jahr 1806 ging der Komplex in den Besitz des Staates über und beherbergte bis 1926 unter anderem das heutige Erasmuskolleg Amberg.

Dem Gymnasium war das staatliche Studienseminar angegliedert, seit den 1970er Jahren in Kooperation mit dem Max-Reger-Gymnasium. Diese Kooperation wurde im September 2013 beendet und die Stiftung verkaufte das Gebäude an einen privaten Investor.

Architektur

Im Norden ist das College ein dreigeschossiger, vierflügeliger Komplex mit Satteldächern, Ziergiebeln, durchbrochener Rahmung zum Innenhof, einem Südflügel mit ebenerdigen Arkaden und einem ehemaligen Gymnasium im Nordflügel.

Im Süden befindet sich ein dreigeschossiges Gebäude mit Satteldach, Fenstervordächern, Pilasterportalen und einem Eckgebäude mit Zwerch- und Ziergiebeln. Durch diese Erweiterung wurde eine 160 m lange Gebäudefront geschaffen, die das Gebäude von der Stadt aus umschließt.

Die gesamte Anlage besteht aus spärlich gegliederten Gebäuden, von denen nur der Erweiterungsflügel reicher gestaltet ist mit majestätischen Portalen, verschiedenen Fensterrahmen in den Geschossen und Volutengiebeln. Auf der Hofseite befindet sich ein Erker mit einem geschwungenen Helm.

Inneneinrichtung

Die Erstausstattung des Chorsaals im Anbau wurde von Frater Johann Hörmann entworfen. Die 585 m² große Kassettendecke aus den Jahren 1676-1678 und ein von Präses Rapp gestiftetes Ölgemälde der Verkündigung in einem kreisrunden Mittelfeld vervollständigen den Saal. Die Kanzel mit dem Bild des Erzengels Michael auf dem Schalldeckel stammt aus dem Jahr 1693. Zur Ausstattung gehören ein Orgelchor und Portale. Zwischen den Fenstern befinden sich große Gemälde, darunter sechs Darstellungen aus dem Leben Mariens von Johann Kaspar Singh, die 1707 entstanden sind.

Um 1764/1766 wurde die Altarwand in reichen Rokokoformen umgestaltet. Dabei wurden ein konkaves, sechssäuliges Rondell mit einem früheren Altarbild der Himmelfahrt von Caspar de Crayer aus dem Jahr 1672 und ein von Leonhard Bacher geschnitztes Oratorium mit einer (1953 freigelegten) Fassung von Andreas Zellner hinzugefügt. Die fünf großen Figuren der unbefleckten Jungfrau Maria und der Heiligen Anna, Josef, Joachim und Johannes der Evangelist wurden vor 1698 von Heinrich Mannlich in Silber geschnitzt.

Im Ostflügel befindet sich die Bibliothek, seit 1826 die Amberger Provinzialbibliothek. Der erste Bibliotheksbau von 1682 wurde 1726/1727 erweitert und teilweise umgebaut. Der langgestreckte, niedrige Raum wird von einer Spiegeldecke mit Lünettenläden umschlossen und ist mit Blatt- und Bandstuckdekor mit figürlichen Bestandteilen aus der Welt des Studiums geschmückt.

Deckengemälde von Johann und Otto Gebhard aus dem Jahr 1726 stellen Adam und Eva am Baum der Erkenntnis, Jesus unter den Schriftgelehrten (signiert) und das Pfingstwunder dar. Nach einer Übermalung in den Jahren 1903/1904 wurde der Zustand von 1726 in den Jahren 1980-1990 restauriert. Die Stukkaturen werden Jacopo Appiani zugeschrieben.

Die Ausstattung mit Schränken, die mit Knorpeln und Obstschnüren verziert sind, stammt aus der Zeit um 1680. Bemerkenswert ist die zum Teil originale Büchersammlung, die aus den säkularisierten Klöstern der Oberpfalz zusammengetragen wurde; einige Bücher sind noch in ihrem ursprünglichen Ordnungssystem erhalten.

Der Speisesaal im Nordflügel hat eine Kassettendecke, ein Portal, Wandvertäfelungen und ein Waschbecken von Johann Hörmann aus den Jahren 1687/1688. Der darüber liegende Aufenthaltsraum hat eine einfachere Kassettendecke. Die hölzerne Figur der Jungfrau Maria auf der Mondsichel aus der Zeit um 1500 wurde 1959 neu bemalt.

Gegenwart

Auf dem Gelände des ehemaligen Wohnheims befinden sich heute Wohn- und Büroräume, die Provinzialbibliothek Amberg.

Karte des Ortes und der Umgebung Öffnen am mapy.cz

GPS: 49.4443719N, 11.8507483E
Jezuitská kolej